Schilt nicht zu stoppen beim K-1 World GP 2005 Finale
geschrieben von Monty DiPietro

Tokio, 19. November 2005 -- Der holländische Kämpfer Semmy Schilt entledigte sich seiner drei Gegner und gewann das K-1 World Garnd Prix 2005 Finale heute abend im Tokyo Dome. Der 32jährige Seidokaikan Karate Kämpfer startete mit einem einstimmigen Punktsieg in seinem ersten Kampf gegen Ray Sefo und machte dann mit einem KO-Sieg über den amtierenden Champ Remy Bonjasky im Halbfinale weiter, um letztendlich Glaube Feitosa im Finale zu bezwingen und zu triumphieren.


K-1 World Grand Prix 2005 Final

Schilt's Karate-Vergangenheit ermöglichen ihm seine überlegene Schnelligkeit und Ausdauer -- er gewann den Word Grand Prix in Paris im Mai und als er in das heutige Finalturnier kam, war er bereits als der beste unter den riesigen (212cm / 121kg) K-1 Kämpfern bekannt. Schilt ist der vierte Holländer, der den K-1 World Grand Prix gewinnt und der erste Karate Kämpfer, der die Krone seit dem großartigen Andy Hug im Jahr 1996 tragen darf. Neben dem prestigeträchtigsten Meistertitel des Kampfsports erhält Schilt außerdem noch 400.000 US-Dollar Preisgeld.

Das "Acht gehen rein und einer kommt raus"-Meisterschaftsturnier ist der Höhepunkt der Kampfveranstaltungen, die überall auf der Welt in diesem Jahr abgehalten wurden. Alle Kämpfe wurden nach den regulären K-1 Regeln ausgetragen -- drei Runden a drei Minuten jeweils. Die Punktrichter -- aus Japan, den Vereinigten Staaten, Frankreich und Holland -- konnten eine entscheidende Extrarunde anordnen, falls es nach drei Runden unentschieden stehen sollte und im Finale zwei mögliche Extrarunden.

Im ersten Kampf des Programms traf der amtierende K-1 World Grand Prix Champion Remy Bonjasky aus Holland auf Hong-Man Choi aus Südkorea.


Remy Bonjasky vs. Hong-Man Choi

Als ehemaliger Silum Ringer-Champion debütierte Choi in diesem Jahr im K-1 und kam nach 6 Kämpfen ungeschlagen ins Finale, wobei er seine Größe besser ausgespielt hatte, als so manch anderer K-1 Riese. Choi ist ein Nationalheld in Korea und ein ziemlich großes Aufgebot an Fans war von Seoul hinüber geflogen um ihm heute zuzujubeln. Der geschmeidige und tödliche Bonjasky ist mittlerweile bekannt für sein spekatakuläres, fliegendes Knie und seine Trittattacken. Aber seine Fans mussten sich fragen, ob er die beim 218cm großen Choi überhaupt anbringen könnte.

Bonjasky vermied die ausgefallenen Techniken hier größtenteils und nutzte lieber harte und präzise Angriffe, die meist mit einem Low Kick begannen. Von der Glocke an war der Holländer leicht auf seinen Füßen, hielt seine Deckung hoch und geschlossen und schlug mit harten Low Kicks zu. Choi führte mit dem linken Jab und konterte solide, sodass er Bonjasky bald in die Ecke getrieben hatte und ihn mit den Fäusten bearbeitete. Spät in der ersten Runde wurde ein Kick von Bonjasky vom heranstürmenden Choi aggressiv beantwortet, aber keiner der Kämpfer dominierte in dieser Runde und so wurde sie auf allen drei Punktrichterkarten mit unentschieden gewertet.

In der Zweiten griff Bonjasky mit einem fliegenden Knie an, Choi antwortete jedoch wieder mit Schlägen. Bonjasky's Low Kicks funktionierten besser und schienen Choi nun langsam zu stören. Aber der Koreaner benutzte seine Reichweite gut um die Distanz zu kontrollieren und wieder konnte Bonjasky keinen anhaltenden Druck aufbauen. In der Dritten war Bonjasky erneut der Aggressor, die Attacken trafen und die Low Kicks saßen, sogar ein High Kick traf Choi an der linken Seite seines Kopfes. Choi's Taktik sah nur kontern vor und damit fuhr er nicht einmal schlecht -- die Punktrichter jedoch mochten Bonjasky überlegene Aggression lieber und belohnten ihn mit einer knappen aber einstimmigen Eintscheidung und einer Reise ins Halbfinale.

Im zweiten Viertelfinale machte Semmy Schilt, in der Auseinandersetzung mit Ray "Sugarfoot" Sefo aus Neuseeland, seinen ersten Schritt Richtung Meisterschaft. Schilt überragte Sefo um 28cm, aber der Kiwi Krieger hoffte, das mit Technik kontern die zu können, die er im Sparring mit Jan "The Giant" Nortje erworben hatte. Da er ein Puncher mit Eisenkinn ist, kam Sefo als Favorit vieler Experten für den Gesamtsieg in das Turnier.


Semmy Schilt vs. Ray Sefo

Ach, aber so kam es nicht, denn ein aufgeladener Schilt trug den Kampf zu Sefo, der nicht so aussah, wie ihn alle kennen. Schilt benutzte zunächst Front Kicks und Jabs um die Distanz zu kontrollieren und als Sefo mit den Fäusten ankam ging Schilt in den Clinch und brachte die Knie hoch. Schilt brachte allein in der ersten Runde fünf mal das Knie zu Sefo's Kopf hoch. Und so wurde es noch schlimmer.

In der Zweiten arbeitete Schilt sehr gut mit den Low Kicks und obwohl Sefo teilweise mit einem Spinning Back Punch und einer Überhand-Rechten traf, wurde er böse durchgeschüttelt, als Schilt einem linken High Kick eine Gerade folgen ließ. Zu Beginn der dritten Runde blutete Sefo und war besiegt, aber zu seiner Verteidigung muss man sagen, dass er immernoch Schilt aufforderte ihn anzugreifen um entgegen aller Hoffnung auf einen Haken zu hoffen, mit dem er Schilt noch niederstrecken könnte. Aber Schilt hatte nach jeder Art und Weise von Tritt- und Schlagattacken die Kontrolle. Sefo musste zum Ende hin im Stehen angezählt werden und so bekam Schilt einen einstimmigen Punktsieg.

Das dritte Viertelfinale war ein Showdown zwischen zwei K-1 Veteranen, dem französischen Kämpfer Jerome Le Banner und Peter Aerts aus den Niederlanden.


Peter Aerts vs. Jerome Le Banner

Le Banner bringt eine übernatürliche Aggression mit in den Ring und wird bei vielen als bester K-1 Kämpfer angesehen, der nie den Grand Prix gewann. Aerts indesen ist der vollendete, abgebrühte, technische Kämpfer mit großartigen Kicks, der den World Grand Prix drei mal gewann. Unglaublicherweise hat Aerts an jedem K-1 Finale seit der Erfindung des Sports teilgenommen (13 mal in Folge, ein Rekord, der vielleicht nie gebrochen werden wird). In den drei vorhergehenden Aufeinandertreffen dieser beiden Kämpfer hatte Aerts den Kopf mit 2:1 vorn.

Le Banner, der Rechtsausleger, bekam den ersten Schlag durch, in einer sonst eher schwachen ersten Runde, und Aerts Kopf nickte nach einer rechten Geraden nach hinten. In der Zweiten wachte Le Banner auf und benutzte seine Fäuste, trieb Aerts in die Seile und fand seine Lücken mit tödlicher Präzision. Aerts Low und Middle Kicks waren hier nicht genug und Le Banner übernahm die Führung.

Aber Aerts beschleunigte sein Tempo in der Dritten und traf gleich zu Beginn mit einem Middle Kick. Le Banner trat selbst einige Kicks, aber nur halbherzig -- er war mit den Fäusten klar besser. Das Highlight der Runde war das gleichzeitige Treffen beider Kämpfer mit rechten Haken -- und Le Banner's Mundschutz flog davon. Aerts gewann die dritte Runde auf allen Punktrichterkarten, aber den Punktrichtern war der Kampfausgang zu knapp und so entschieden sie sich für eine Extrarunde.

Nun wirkten beide Kämpfer erschöpft, aber es war Aerts -- mit 35 Jahren der älteste Teilnehmer des Turnier -- der mehr Angriffe wagte, indem er mit den Beinen zutrat und die Knie hoch brachte. Der prustende und schnaubende Le Banner hatte kein Benzin mehr im Tank und dieser traurige Fakt wurde von den Punktrichtern bemerkt. Sie gaben Aerts den Punktsieg und so waren alle drei holländischen Kämpfer im Halbfinale.

Im letzten Viertelfinale war es Japan's Lieblingssohn, der Seidokaikan Kämpfer Musashi, der es mit dem 22jährigen Wunderkind Ruslan Karaev aus Russland aufnahm.


Musashi vs. Ruslan Karaev

Musashi's beständige Beinarbeit brachten ihm den zweiten Platz bei den letzten beiden World Grand Prix Finalturnieren ein, während der K-1 Newcomer Karaev seine Gegner mit seiner blitzartigen Schnelligkeit und seinen ununterbrochenen Angriffen überwältigt hat. Karaev absolvierte ein Höhentraining in Kurizawa, Japan, in Vorbereitung auf diesen Kampf, um seine Atmung und Ausdauer zu verbessern.

Der russische Dynamo kam aus der Ecke wie eine geladene Waffe und ließ die Kicks auf Musashi niederprasseln. Karaev erhielt den Druck mit einer Mischung aller möglichen Attacken, u.a. Spinning Back Kicks und einige überaus harte Punch- und Kickkombinationen, aufrecht. Musashi hatte eine gute Verteidigung und Ausweichmanöver und war trotzdem immer mit Low und Middle Kicks zur Stelle. In der zweiten Runde war Musashi etwas zuversichtlicher, wich nicht zurück und landete einen rechten Halen im Konter und gute Low und Middle Kicks, während Karaev mit einem rechten Aufwärtshaken und einem Drehschlag traf.

Die dritte Runde folgte diesem Schema -- Karaev kam mit Schlägen, Musashi blockte und konterte mit harten Low Kicks, aber in den letzten Sekunden verschwand dieses Schema plötzlich und die Jungs gingen zu einem Schlagabtausch über, aus dem Karaev im wilden Austausch als der Bessere hervorging. Die Punktrichter sagen ein Unentschieden und ordneten eine Extrarunde an.

Hier arbeitete Musashi mit den Low Kicks und diese taten Karaev weh. Eine Unterbrechung wurde angeordnet, als Karaev aus Versehen Musashi mit dem Kopf stieß und nach der Wiederaufnahme des Kampfes gab es erneut ein wahnsinniges Finale. Karaev traf mit einer linken Geraden und einem Drehkick, während Musashi bis zum Schluß mit den Beinen arbeitete. Ein knapper Kampf mit einer Punktrichterentscheidung für Musashi.

Im ersten Halbfinale kämpfte Bonjasky gegen seinen zweiten großen -- und mehr Respekt einflößenden -- Gegner Semmy Schilt.


Remy Bonjasky vs. Semmy Schilt

Dieser Kampf dauerte kaum zwei Minuten, da Schilt die Initiative von Beginn an ergriff, und mit den Fäusten, Kicks und Knien attackierte, während Bonjasky in den Seilen in Verteidigungsstellung blieb. Schilts Kraft ließ ihn die Deckung schnell durchbrechen und nach einen linken Knie gegen Bonjasky's Kopf war der Champion böse durchgeschüttelt. Schilt machte mit Schlägen weiter und punktete nach einem harten Front Kick mit einem Niederschlag. Nur 30 Sekunden nach der Wiederaufnahme des Kampfes war es ein Knie zum Unterleib, der Bonjasky ein zweites Mal fällte und den Kampf beendete. Schilt stand im Finale.

Vor dem zweiten Halbfinale wurde bekannt gegeben, dass der gesetzte Kämpfer Peter Aerts eine gebrochene Rippe hatte und das Turnier nicht fortsetzen konnte. So nahm der Gewinner des ersten Reservekampfes seine Platz ein.

In diesem Kampf schlug der Kyokushin Karate Meister Glaube Feitosa den aus Trinidad und Tobago stammenden Gary Goodridge.


Gary Goodridge vs. Glaube Feitosa

Goodridge hatte den Kampf mit Schlägen zum Körper begonnen, während Feitosa seine Deckung hoch hielt und mit geschickter Beinarbeit konterte. Feitosa entfernte mit einem Front Kick in der zweiten Runde sowohl Goodridge's Mundschutz als auch einen seiner Zähne und griff nun auch mit den Fäusten an. Goodridge für seinen Teil reichlich wenig in dieser Runde und blutete schlimm von der Nase und vom Mund. In der Dritten griff Goodridge mit Schlägen an, aber Feitosa begab sich in eine Verteidigungsposition, um die Runde zu überstehen und mit einem komfortablen, einstimmigen Punktsieg zu gewinnen.

Und so kam es, dass der Sieg Feitosa einen Platz im Halbfinale gegen Musashi bescherte.


Musashi vs. Glaube Feitosa

Beide waren von Beginn an vorsichtig und die erste Runde verlief ausgeglichen -- ein technischer Kampf mit zwei Kickern tauschten wie vorherzusehen war Kicks aus und keiner dominierte. Aber plötzlich, nur Sekunden vor dem Rundenende überraschte Feitosa Musashi mit einer schnellen, rechten Geraden ins Gesicht und erzielte einen Niederschlag.


Musashi vs. Glaube Feitosa

Seine Chance vor Augen war Feitosa in der zweiten Runde mit einem Mal untypisch aggressiv, stürmte mit Tritten und Schlägen vorwärts, schubste Musashi nicht nur einmal sondern zweimal durch den Ring, bevor er ihn mit einem perfekten, fliegenden Knie auf die Nase ausknockte. Musashi versuchte nicht einmal wieder auf die Beine zu kommen und das wars dann auch -- in einem unwahrscheinlichen Szenario war Feitosa nun der Mann, der Schilt im Finale gegenüber stehen würde.

Das Finale war ein Rückkampf des Osaka Eliminierungskampfes zwischen diesen Beiden im September. Feitosa verlor diesen Kampf nach Punkten und heute Nacht sollte er auch nicht mehr Glück haben, denn sein Aschenputtel-Lauf wurde aprubt von Schilts Knie in der ersten Runde gestoppt.


Glaube Feitosa vs. Semmy Schilt

Schilt gab Feitosa keine Chance seine Magie zu wirken, kam von Beginn an schnell und hart zur Sache, mit Knieattacken und Schlägen. Feitosa wollte aus der Nahdistanz mit Überhandschlägen kontern, aber es half nichts, da Schilt sein linkes Knie hoch bekam und seinen Gegner nach 48 Sekunden der ersten Runde auf die Bretter schickte. Ein überzeugender Sieg, der ein für Schilt perfektes Turnier abschloss.

"Ich möchte all meinen Fans und Freunden danken, die mich unterstützt haben!", sagte ein strahlender Schilt, der neben der Krone noch 400.000 Dollar Preisgeld einkassiert. "Ich war motiviert das Turnier zu gewinnen und das tat ich! Ich bin froh, dass ich den Fans ein paar gute Kämpfe liefern konnte! Mein Ziel ist es, den Titel im nächsten Jahr zu halten!"

Im zweiten Reservekampf gab es ein weiteres, spannendes Duell zwischen dem kroatischen Kickboxer Stefan Leko, der seine Rückkehr zum K-1 vollzog und Badr Hari aus Holland, der sein K-1 Debüt bestritt.


Stefan Leko vs. Badr Hari

Nachdem er glückselig, in dem wohl am längsten hinaus gezögerten Einmarsch in der Geschichte des K-1, in den Ring geschritten war kam der schlacksige Hari zur Sache. Er trat mit einigen High Kicks zu und traf mit einem exzellenten Körpertreffer. Während dessen blieb Leko zurück und suchte nach Chancen. Aber bestimmt würde doch Leko -- ein technischer Kämpfer, der von K-1 Puristen nahezu vergöttert wird -- in der zweiten Runde aufdrehen?

Nun ja, nein. Was in der zweiten Runde passierte, war, dass Hari mit einem brutalen Drehkick herumwirbelte, der Leko mit dem Hacken hart am Kinn traf. Leko war komplett weggetreten, noch bevor sein Körper krachend auf die Matte fiel. Eine fantastische Drehattacke und ein wunderschöner Sieg für Hari, der einen guten Sportsgeist bewies, indem er Leko einige Minuten später auf die Beine half, als der benommene Deutsche endlich die Augen geöffnet hatte.


Semmy Schilt, der Sieger

Alles in allem ein Super Finale, das ein Publikum von 58.213 Zuschauern im Tokyo Dome begeisterte. Die Veranstaltung wurde live in Japan über das Fuji Television Netzwerk übertragen und über Fuji Satellite TV. In Südkorea kam es auf MBC/ESPN und in Frankreich auf CANAL+. Eine verzögerte Übertragung wird es auf Eurosport überall in Europa geben, sowie auf ProTV in Rumänien, bei ViaSat Sports in Dänemark, GroboSat in Brasilien und auf TV New Zealand. Insgesamt wird das K-1 World Grand Prix Finale 2005 in ca. 90 Ländern zu sehen sein.

Resultate und Bericht finden sich auch auf der K-1 Official Website (www.k-1.co.jp).


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